Andacht April 2026
Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt!
Matthäus 26, 41
„Das Leiden muss getragen werden, damit es vorübergeht.“ So fasst Dietrich Bonhoeffer in seinem Buch „Nachfolge“ seine Auslegung des Geschehens in der Nacht im Garten Gethsemane für unser tägliches Leben zusammen.
Jesus war mit seinen vertrauten Jüngern in die Einsamkeit des nächtlichen Gartens gegangen, um vor seiner Verhaftung zu seinem himmlischen Vater zu beten. Doch obwohl er sie zweimal inständig bittet, mit ihm zu wachen, vielleicht sogar für ihn zu beten, findet er die Jünger schlafend. Er weckt sie und sagt ihnen - und uns: „Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt!“
Jesus hatte seine Jünger gelehrt, wie sie mit dem himmlischen Vater vertrauensvoll reden und ihre Bitten vortragen können. Eine dieser Bitten ist „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.“ Für den einzelnen Jünger ist es natürlich wichtig, dass Gottes Wille in seinem Leben, in seinem Umfeld geschieht. Aber wie oft kam - wir lesen es in den Evangelien - der eigene Wille des Jüngers dazwischen. Besonders bei Petrus wird uns das dargestellt.
Ist es in unserem Leben anders? Auch wir bitten, dass Gottes Wille geschehe - und dann verwirklichen wir doch, was unserem Willen entspricht.
Jesus geht es in seinem Zwiegespräch mit seinem Vater aber wirklich darum, dass in dieser Stunde nichts, aber auch gar nichts, den Willen des himmlischen Vaters hindern möge. Schon gar nicht Jesu eigener Wille. Denn unser Herr weiß, dass gelitten werden muss. Das Leiden gehört zum Menschsein, seit Adam und Eva das Paradies verlassen mussten. Und wenn nicht er für die Sünden der Menschen leidet, werden sie es tun müssen.
Ein so schweres Leiden, körperliche und seelische Schmerzen, ja, sogar der Tod: Jesus weiß, wenn der Vater es schickt, dann wird es ein seliges Ende nehmen, auch wenn die Furcht vor dem Kommenden schier übermenschlich ist. „Das Leiden muss getragen werden, damit es vorübergeht.“ Dietrich Bonhoeffer hat in der Nachfolge Jesu sein Leiden getragen. Es geht nicht anders.
Deshalb die Warnung, die Ermahnung Jesu: „Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt!“ Denn was ist die Folge, wenn wir im Angesicht drohenden Leidens nicht mehr Gottes Wille geschehen lassen wollen? „Kann es denn sein, dass der liebe Gott mir solch ein Leid zuschickt?“ flüstert uns der Versucher ins Herz. Wir verlieren den Kontakt, Verzweiflung besiegt uns. Diesen inneren Kampf nennt man „Anfechtung“. Der Mensch scheidet sich zunehmend von Gott, geht immer mehr eigene Wege.
Wen aber trifft er damit mehr als sich selbst. Statt in der Geborgenheit bei Gott zu bleiben, geht er in die Einsamkeit seines eigenen Ichs. Die Bibel kennt diese Menschen, Judas war einer, auch Saul, der erste König Israels.
Wie tröstlich ist es dagegen, wenn man wie Jesus schließlich sagen kann: „Vater, in deine Hände gebe ich meinen Geist“ (Lukas 23, 46). Oder wie es Friedrich von Bodelschwingh formuliert hat: „Es ist gut und macht still, wenn man sich ganz in seine Hand gibt.“ Auch und gerade im Zeichen des kommenden Leidens kann man dichten:
Drum still mein Herz und lass vergehen,
was irdisch und vergänglich heißt.
Im Lichte droben wirst du sehen,
dass gut die Wege, die Er weist.
Und müsstest du dein Liebstes missen,
ja, ging's durch kalte, finstre Nacht.
Halt fest an diesem sel'gen Wissen:
Dass Gott nie einen Fehler macht.
(Herbert Sack, 1942/43 in Stalingrad)
Ulrich Lorenz, Berlin