Andacht Juli 2026

Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.


Matthäus 6, 21

Sie war sechs Jahre alt und wünschte sich nichts sehnlicher, als ein Taschenmesser, wie es die Jungen in ihrer Klasse schon teilweise hatten – und vor allem ihr Papa, auf den sie mächtig stolz war. Schließlich bekam sie ein elegantes Damentaschenmesser zum Geburtstag. Das wurde ihr ganzer Stolz. Der Papa mahnte zwar manchmal, sie solle ihr Herz nicht so an das Taschenmesser hängen, das könnte sie eines Tages traurig machen – aber sie hörte gar nicht hin. Bis das Taschenmesser eines Tages weg war. Da wurde sie sehr traurig und weinte, wann immer sie den Verlust empfand.

Geht es uns Erwachsenen nicht oft auch so? Da sind wir stolz auf den neuen Anzug, die modische Bluse – und dann macht ein Vogel darauf! Der Schmerz über den Verlust sitzt tief und brennt im Herzen. Dabei könnte der Verstand uns sagen, dass alle irdischen Dinge erfahrungsgemäß vergänglich sind, selbst die Menschen, die wir liebhaben. Warum also so intensiv Gefühle investieren? Es ist besser, wir behalten die Vergänglichkeit im Blick und genießen das Jetzt!

Jesus, der die Worte der Monatslosung gesprochen hat, hat wohl auch diese therapeutische Mahnung vor Augen. Doch ihm ist ein anderer Aspekt wichtiger: Gott, sein himmlischer Vater. Deshalb ermahnt er die Zuhörer seiner berühmten Predigt auf dem Berg: „Sammelt euch keine Reichtümer hier auf der Erde, wo Motten und Rost sie zerfressen oder Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch lieber Schätze im Himmel, wo sie weder von Motten noch von Rost zerfressen werden können und auch vor Dieben sicher sind. Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.“ (Evangelium nach Matthäus 6, 19-21)

Was sind denn diese „Schätze im Himmel“, zu denen er uns rät?

Aus allem, was Jesus sagt und tut, wissen wir, dass es ihm immer nur um einen „Schatz“ geht: Unser Verhältnis zu Gott liegt ihm am Herzen. Er stellt fest: Wir gehen in die falsche Richtung und müssen umkehren! Dazu ruft er uns immer wieder auf, auch wenn er dafür einen Begriff verwendet, der in unserer Zeit durch das Verkehrsrecht mit einer anderen Bedeutung belegt ist, als zu Jesu Zeiten, als es noch keine Verkehrssünderdatei in Flensburg gab. Jesus spricht von „Buße“ (z.B. „Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!“ Evangelium nach Matthäus 3, 2), er meint damit die Umkehr auf unserem Lebensweg.

Er ermutigt uns, von nun an gemäß den Regeln zu leben, die unser himmlischer Vater uns gegeben hat: Du sollst nicht lügen, nicht stehlen, nicht die Ehe brechen usw., denn das hast Du gar nicht nötig. Jesus weist uns immer wieder darauf hin: „Macht euch also keine Sorgen! Fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn damit plagen sich die Menschen dieser Welt herum. Euer Vater weiß doch, dass ihr das alles braucht! Euch soll es zuerst um Gottes Reich und um seine Gerechtigkeit gehen, dann wird er euch alles Übrige dazugeben. Sorgt euch also nicht um das, was morgen ist!" (Evangelium nach Matthäus 6, 31-34a)

Jesus hilft uns dabei. Er räumt unser altes Versagen aus, indem er für uns die verdiente Strafe durch seinen Tod am Kreuz sühnt. Und er unterstützt uns auf unserem Weg mit dem himmlischen Vater: Jesus ist bei uns, „alle Tage, bis an der Welt Ende.“ (Evangelium nach Matthäus 28, 20).

Überwinden wir also unsere Furcht, es könnte uns schlechter gehen, wenn wir nicht für uns raffen und schaben! Verlassen wir uns auf Jesu Wort: Wir werden sehen, um wie viel ruhiger wir leben und doch ohne, dass uns etwas abgeht.

Auf uns kommt es an: das Angebot Jesu steht!

Ulrich Lorenz, Berlin