Andacht März 2026

Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.


Römer 8, 18

„Danach wird man ablesen bald ein Buch, darin geschrieben, was alle Menschen, jung und alt, auf Erden je getrieben; da denn gewiss ein jedermann wird hören, was er getan in seinem ganzen Leben.“ Mit diesen Worten fasste der Dichter Bartholomäus Ringwaldt in seinem alten Kirchenlied „Es ist gewisslich an der Zeit, dass Gottes Sohn wird kommen“ (GL 706; EG 149) die Endabrechnung zusammen, vor die jeder Mensch eines Tages gestellt werden wird. Wann das ist, lässt sich zwar nach Datum nicht vorhersagen; aber ein Ereignis kennen wir, das damit verbunden ist: die endgültige Wiederkehr unseres Heilands Jesus Christus.

Daran denkt der Apostel Paulus in seinem Brief an die Römer, wenn er mit unserem Monatsspruch sagt: „Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns soll offenbart werden. Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden.“ (Brief an die Römer 8, 18 und 19) Damit trifft der Apostel genau die Zeit im Kirchenjahr, in der wir uns jetzt gerade befinden, die Passionszeit. Es ist die Zeit des Leidens und Sterbens Jesu Christi. Damit endet seine irdische Gegenwart als Mensch. Damit vollbringt er die Sühne für die Schlechtigkeit, für die Gottferne, kurz: die Sünde der Menschheit.

Denn mit ihrer Abkehr von Gott, mit ihrem Streben nach Gleichheit mit Gott, haben die Menschen das paradiesische Leben aufgegeben und Tod und Leid dafür eingetauscht. Auch heute noch versuchen sie, ohne Gott auszukommen, glauben sie an ihre technischen und wissenschaftlichen Fertigkeiten mehr als an Gottes allmächtige Güte.

Der Apostel Paulus war angetreten, um in seiner Zeit den Menschen die Vergeblichkeit, ja die Torheit dieses Strebens weg von Gott deutlich zu machen und ihnen die Sühnetat Jesu Christi nahe zu bringen. Aber in seiner Zeit litten die erst wenigen Christen neben den allen Menschen eigenen Nöten und Krankheiten vor allem unter Verfolgungen der gesellschaftlichen Mehrheit und der politischen Obrigkeit. Sie fragten daher - übrigens wie wir heute auch - wie Gott denn zulassen könne, dass es ihnen nicht nur trotz, sondern wegen ihrer Hinwendung zu Christus so besonders schlecht ging. „Warum lässt Gott das zu?!“ fragten sie, fragen wir.

Auf diese Frage kann es keine Antwort geben. Denn unser Verstand reicht nicht aus, Gottes Denken und Handeln zu begreifen. Es bleibt uns nur das Vertrauen in die liebevolle väterliche Fürsorge Gottes für uns, selbst wenn wir im Anblick unserer konkreten Situation nichts davon spüren sollten. Wir sind plötzlich unheilbar erkrankt! Wir haben eben den geliebten Menschen verloren! Das schmerzt, das lässt uns nachts nicht schlafen, das ängstigt uns. Und da sollen wir noch an Gottes Güte glauben?!

„Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns soll offenbart werden,“ sagt uns der Apostel Paulus. „Sei getrost bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.“ (Offenbarung 2, 10) Haltet aus, haltet euren Glauben fest, so wie Jesus Christus seinen Glauben an Gott den liebevollen Vater festgehalten hat durch alle Beschimpfungen, Foltern, Erniedrigungen hindurch, ja, bis in den schrecklichen Foltertod. Selbst in seiner dunkelsten Verzweiflung am Kreuz, kurz bevor er starb, wandte er sich an seinen Vater: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Markus 15, 34)

Paulus verweist die Menschen, die in ihrer Verzweiflung ähnlich fragen, dass alle Geschöpfe ängstlich auf sie warten, auf den Augenblick schauen, in dem am Ende der Welt Gott seine Kinder offenbaren wird. Alle Menschen werden vor Gott gestellt und begutachtet: den Menschen, die ihm bis zu ihrem Ende treu geblieben sind, die bis zum Schluss seine Kinder blieben, wird er das ewige Leben in der himmlischen Gemeinschaft geben. Dann wird man erkennen, wer treu bei Gott blieb; dann wird auch die Schöpfung erlöst sein von dem ursprünglichen Sündenfall und seinen tödlichen Folgen.

So wollen auch wir, wenn es denn sein muss, mit Jesus leiden und mit ihm darauf vertrauen, dass alles, was uns hier auf Erden geschieht, uns durch unseren liebevollen Schöpfer zugedacht ist, weil es nach seiner Erkenntnis so sein muss und letztlich unserem Heil dient.

Ulrich Lorenz, Berlin