Andacht Oktober 2021

Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.


Hebräer 10, 24

Die Frau des Küsters hatte die Leitung der Handarbeitsgruppe des Mütterkreises der Gemeinde. Regelmäßig im Spätsommer, am Ende der Urlaubszeit, fing sie an, die Frauen zu ermuntern und zu ermahnen, ja, sie anzutreiben, mehr und schneller zu häkeln und zu stricken. Möglichst viel Ware sollte zusammenkommen. Sie wollte nämlich auch in diesem Jahr den größten Einzelbeitrag zum Gesamterlös des Adventsbasars, immer am ersten Adventswochenende, beisteuern. Zu dem Erlös, mit dem soziale und wohltätige Organisationen unterstützt wurden.

Ist es das, was der Apostel meint, wenn er uns in unserem Monatsspruch anweist: „Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken“? Sollte Jesus, der neue „Hohepriester über das Haus Gottes“ (Hebräer 10, 21), uns „antreiben“ wollen? Wir sind ja doch Nachfolger Jesu, Kinder Gottes (Johannes 1, 12) und seine Hausgenossen (Epheser 2, 19)!

Möglich wurde das durch den Opfertod Jesu am Kreuz von Golgatha. Getrieben von seiner Liebe zu den Menschen, die er mit seinem himmlischen Vater gemeinsam hat, gab Jesus sein Leben hin als Sühne, als Strafe für die Sünden der Menschen, ihre Gottlosigkeit, ihre Hörigkeit zu Götzen, wie Astrologie, Geld und Macht, Besitz usw. Mit all dem haben die Menschen Gott beleidigt und gekränkt, haben ihm, vielleicht unbewusst und unbeabsichtigt, ihre Nichtachtung bewiesen. Dafür haben die Menschen eigentlich den Tod verdient. Jesus hat mit seinem stellvertretenden Tod die Strafe auf sich genommen. Dadurch wurde der Weg frei, der Zugang zu Gott geöffnet: jeder, der Jesus als Sohn Gottes für sein Leben bestimmen lässt, der Jesus nachfolgt, ist künftig Kind Gottes und Jesu Bruder oder Schwester.

In der Folge erhält der Mensch in der Nachfolge Jesu ein neues Herz (ein „wahrhaftiges Herz“, Vers 22), das fähig ist zu der Liebe von der Jesus spricht, wenn er sagt: „Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, bleibt ihr in meiner Liebe, so wie ich meines Vaters Gebote gehalten habe und bleibe in seiner Liebe. … Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, wie ich euch liebe“ (Johannes 15, 9ff). Diese Liebe ist gekennzeichnet durch eine unvoreingenommene und freundliche Zuwendung zu Gott. Und zum anderen Menschen, selbst wenn der es nicht verdient.

Befähigt hierzu wird der Christ durch den Frieden, den Frieden mit Gott. So, wie Jesus im Frieden mit dem himmlischen Vater geborgen war und bis zum Schluss den schweren Weg gehen konnte, so empfängt auch der Nachfolger Christi den Frieden Jesu, der seinen Jüngern zusagt: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht“ (Johannes 14, 27). In diesem Frieden ist man auch in stürmischen Lagen geborgen und behütet. In der festen Hoffnung, dass das Vertrauen in Gott und Jesus nicht vergeblich ist, geht der Christ dann seinen Weg als den Weg, den der Wille des himmlischen Vaters vorgezeichnet hat. „Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden“ (Matthäus 10, 6). Oder wie man in Nürnberg gedichtet hat:

„Alles ist an Gottes Segen / und an seiner Gnad gelegen
über alles Geld und Gut. / Wer auf Gott sein Hoffnung setzet,
der behält ganz unverletzet / einen freien Heldenmut.

...

Er weiß schon nach seinem Willen / mein Verlangen zu erfüllen,
es hat alles seine Zeit. / Ich hab ihm nichts vorzuschreiben;
wie Gott will, so muss es bleiben, / wann Gott will, bin ich bereit.“
(GL 453 / EG 352, 1 und 5)

Ulrich Lorenz, Berlin