Andacht Februar 2026

Auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.


Römer 8, 21

Sie stoßen und drängeln mit ihren Spitzen durch frostharten Boden zum Licht des frühen Jahres: oft schon im Februar können es die kleinen Krokusse nicht erwarten, ans Licht zu kommen. In meinem Vorgarten stecken sie in diesem Jahr sogar schon jetzt, Mitte Januar, ihre Spitzen durch das Laub des Vorjahres. So eilig haben sie es, in die Freiheit zu kommen. Die Natur ist im Frühjahr im Aufbruch, mit ihr die ganze Schöpfung. Alles lechzt nach der Sonne, nach der Befreiung aus der Enge in Frost und Eis.

„Die gesamte Schöpfung wartet sehnsüchtig auf den Tag, an dem die Kinder Gottes in ihrer ganzen Herrlichkeit sichtbar werden“, so schreibt der Apostel Paulus in seinem Brief an die Römer in Vers 19, also wenige Verse vor der Monatslosung. Dieses Bild hat der Apostel Paulus vor Augen, wenn er an seine eigene Befreiung zurückdenkt.

Wie Froststarre umklammerte die Angst vor morgen, die Sorge um die Gesundheit, das Bangen um die Altersversorgung das Leben. Jetzt, mit Jesus, fiel alles ab. Natürlich, auch wenn Jesus mein Leben bestimmt, werde ich krank, Armut kann mich treffen - alles was an äußerlichen Gefahren droht, kann auch den Gläubigen treffen. „Ich bitte dich nicht darum, sie aus der Welt wegzunehmen, aber ich bitte dich, sie vor dem Bösen zu bewahren.“ (Johannes 17, 15) Diese Bitte Jesu an seinen, unseren himmlischen Vater zeigt es: wer weiß, dass der Sohn Gottes für ihn da ist, vertraut auf Hilfe, die vielleicht noch nicht zu sehen oder zu ahnen ist. Er weiß, der himmlische Vater wird auf alles zum Besten wenden. Wie? Weiß ich nicht. Wann? Dann, wenn es Gott richtig erscheint.

Es entsteht im Herzen eine Ruhe, eine Geborgenheit, die frei macht. Woher kommt die? Das Volk Israel hat in seiner Geschichte oft genug diesen Gott als drohenden und strafenden kennengelernt - was macht mich so sicher, dass er mir liebevoll helfen wird, statt mir meine Vergehen vorzuhalten? Zwei Gründe gibt es.

Der eine ist das Leiden und Sterben seines Sohnes. Wir gehen allmählich auf die Passionszeit zu, in der die Christen daran denken. Damit wir uns dem allmächtigen Gott nähern können wie neugeborene Kinder ihrem liebenden Vater, hat Jesus „die Anklageschrift, die wegen nicht befolgter Gesetzesvorschriften gegen uns gerichtet war, für ungültig erklärt. Er hat sie ans Kreuz genagelt und damit für immer beseitigt.“ (Brief an die Kolosser 2, 14)

Das andere ist seine Geborgenheit in seinem Vater, die Gelassenheit den Alltagsproblemen gegenüber. „Deshalb sage ich euch: Sorgt euch nicht um Essen und Trinken zum Leben und um die Kleidung für den Körper. Das Leben ist doch wichtiger als die Nahrung und der Körper wichtiger als die Kleidung. Schaut euch die Vögel an! Sie säen nicht, sie ernten nicht und haben auch keine Vorratsräume, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Und ihr? Ihr seid doch viel mehr wert als diese Vögel! Wer von euch kann sich denn durch Sorgen das Leben auch nur um einen Tag verlängern? Und warum macht ihr euch Sorgen um die Kleidung? Seht euch an wie die Lilien wachsen. Sie strengen sich dabei nicht an und nähen sich auch nichts. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht so schön gekleidet wie eine von ihnen. Wenn Gott sogar die Feldblumen, die heute blühen und morgen ins Feuer geworfen werden, so schön kleidet, wie viel mehr wird er sich dann um euch kümmern, ihr Kleingläubigen! Macht euch also keine Sorgen! Fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen?“ (Matthäus 6, 25 - 31) Was für ein befreites Leben!

Jetzt verstehen wir, die Sehnsucht der Schöpfung, aus der „Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes“ befreit zu werden.

Schließen wir uns an.

Ulrich Lorenz, Berlin