Andacht August 2026

Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.


Matthäus 7,7

„Hilf dir selbst, so hilft dir Gott“, wer kennt nicht dieses deutsche Sprichwort? Seinen geistigen Ursprung hat es im antiken Griechenland: „Syn Athena kai cheira kinei“ = „Mit Athena und bewege deine Hände.“ Göttin Pallas Athene war nicht nur die Namenspatronin des Stadtstaates Athen, sondern Schutzgöttin der Städte überhaupt, Göttin der Weisheit und der Kriegstaktik, Schutzgöttin der Künste und Wissenschaften. Sie würde beistehen, wenn man sich nicht auf die faule Haut legte.

Der Gedanke, dass man sich am besten und zuerst selbst behelfen soll, ist allen Kulturen in Europa nicht fremd. Überall lassen sich ähnliche Sprüche nachweisen. Auch in der Bibel finden sich viele Beispiele dafür, dass Menschen zunächst nach eigenen Wegen gesucht haben. Auch uns liegt es näher, bei Problemen und Schwierigkeiten allein an die Lösung zu gehen. Erst wenn wir nicht mehr weiterwissen, wenden wir uns an den himmlischen Vater um Beistand.

Sein Sohn Jesus geht den genau entgegengesetzten Weg, obwohl er das entsprechende Sprichwort in Israel kennt (vgl. Lukas 4, 23). Auch wurde er damit verhöhnt, als er am Kreuz hing: „Die Leute, die vorbeikamen, schüttelten den Kopf und riefen höhnisch: ‚Du wolltest ja den Tempel abreißen und in drei Tagen wieder aufbauen! Rette dich doch selbst! Wenn du Gottes Sohn bist, steig vom Kreuz herab!‘“ (Matthäus 27, 39f) Nein, er überließ seinem himmlischen Vater die Entscheidung.

Immer wieder lesen wir in den Evangelien, dass Jesus erst Rücksprache mit seinem Vater im Himmel hält und dann zu handeln beginnt. „Früh am Morgen, als es noch völlig dunkel war, stand er auf und ging aus dem Haus fort an eine einsame Stelle, um dort zu beten,“ (Markus 1, 35) Dann verlässt er mit seinen Jüngern Kapernaum, wo er noch tags zuvor emsig tätig war, zu heilen und zu predigen und obwohl die Leute erneut auf ihn warten.

Diese Reihenfolge - erst Gebet und Rücksprache mit Gott, dann tätig werden - entspricht Jesu Einstellung in allen Dingen. Er weiß sich stets in der Hand Gottes geborgen. Er versichert auch uns immer wieder, dass wir uns in allen Dingen auf unseren himmlischen Vater verlassen können; der wird uns mit allem versorgen, was wir brauchen.

So ermuntert er uns zum gleichen Vertrauen, das er hat, zur Nachfolge. Er weiß, niemand klopft beim Vater an, ohne dass ihm geöffnete würde. Keiner von uns wird den himmlischen Vater erfolglos bitten. Seine Güte und Barmherzigkeit werden wir nie vergeblich suchen. Lassen wir uns doch darauf ein!

Ulrich Lorenz, Berlin